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Die dichtung
Was bist du anderes als die Vision dei Nacht? Alles Nächtliche gehört dir. Du lädst uns zu den herrlichsten Festessen der Träume ein und zu den nicht weniger herrlichen Nachtwachen der Wirklichkeit. Du reist mit dem Mann oder mit der Frau, als wärst du die Flamme ihrer Augen, der Pilgerstab ihres Glücks oder der dichte Rauch bei Tagesanbruch. Für dich, Mutter des Schmerzes, gibt es nur Herrlichkeit und Kummer, denn der Mittag steht nicht in deiner Tagesordnung. Nichts anderes bist du, Dichtung, als der höchste Gipfel, wo der Narr, die Sterblichen, all die vom Glück und der Gunst Enterbten Unterschlupf finden. Du, die Verachtete, die Aussätzige, die Pustelbefallene, bist das beste der Weibchen, die beste Mutter, die beste Gattin, die beste Schwester und die längste und wonnigste der Nächte. Diese von Hans Leopold Davi übersetzten Gedichte wurden dem Auswahlband, “Espejo de máscaras” (“Spîegel der Masken”, 1987) entnommen |